Instinkt vor Vernunft: Bären schaffen Revanche beim Tabellenführer

Ein sensationeller Sieg im letzten Saisonspiel der Kreisliga C entlässt die zweite Mannschaft des SV Neukölln 09 mit einem weiteren Positiverlebnis in die Sommerpause. Bei DBV Charlottenburg 4 gelingt die Revanche für eine katastrophale Niederlage im Hinspiel: 70:82.

Teamfoto des SV Neukölln 09 2 (Neuköllner Bären)
So sehen Sieger aus! Unsere Zweiten Bären siegen überlegen gegen Tabellenführer DBV Charlottenburg!

Die zweite Bärenmannschaft ist seit Wochen im Aufwind. Nach einem mehr als ruckeligen Saisonstart gab es für die wild zusammengewürfelte Mannschaft einige knappe Niederlagen und zuletzt den erst zweiten Sieg auf dem Spielfeld. Auf der anderen Seite haben die Gastgeber als Quasi-Jugendteam das Saisonziel Wiederaufstieg souverän erreicht und gehen mit nur einer Niederlage als hoher Favorit in die Begegnung.

Zu Spielbeginn entwickelt sich ein ausgeglichenes Matchup, und selten hat man so unterschiedliche Spielanlagen sich ausgleichen gesehen: Auf der einen Seite der DBV, der vernünftig, artig und lehrbuchmäßig um die Bären-Zone herumpasst, um den guten Zug zum Korb oder den freien Wurf von außen zu erwischen. Auf der anderen Seite die Bären, die organisiertes Chaos auf beiden Seiten des Spielfelds suchen, instinktiv Situationen erschnüffeln und Vorteile in Kraft, Dynamik und Größe in die Waagschale werfen. Dabei krallen sie sich auch gleich einige Offensivrebounds und damit zweite Chancen, während die Gastgeber in eigener Halle viel zu viele freie Dreier danebenballern und so ihre Feldüberlegenheit verspielen. Pari-pari nach Viertel 1: 14:14.

Haben die Charlottenburger die Gäste aus Neukölln unterschätzt, die im Hinspiel so hart geschlagen wurden, dass sich manch anderes Team direkt im Anschluss aufgelöst hätte? Irritierenderweise treten die Bären auch noch statt im gewohnten Schwarz in Weiß an – spielen Urängste vom Bär im Schafspelz eine Rolle? Der DBV verliert nun auf jeden Fall völlig die Linie und verwirft offensiv eine Chance nach der anderen. In der Defensive finden die Boyz aus der Leistikowstraße überhaupt kein Mittel mehr gegen mit breitbehaarter Brust punktende Bären. Auch im Bodenkampf behaupten sich fast in jeder Situation die Gäste, Willen und Leidenschaft sind stark in der jungen Bärenmeute; dazu bringen schnelle Dreier eine deutliche Führung. 26:36 zur Halbzeit.

Fast bei jeder Mannschaft kann man im dritten Viertel ein anderes Gesicht sehen, eine neue Spielanlage, die das Team wieder heranbringt. Nicht so beim DBV: Nach wie vor wird versucht, mit einfachsten Pässen die Bären-Zone auszuspielen – eigentlich eine völlig risikofreie Angelegenheit, um zu freien Würfen zu kommen. Doch die Neuköllner Pelzpredatoren machen nun richtig ernst, gehen zwischen jeden Ball, lassen keine einfachen Würfe mehr zu, blocken und stealen was das Zeug hält. Auf der anderen Seite versuchen es die Charlottenburger mit Ganzfeldpresse, bei der offenbar planmäßig der Aufbauspieler getrippelt wird. Eine merkwürdige Taktik, die auch völlig danebengeht: Nicht ein einziger Ballverlust wird dem SVN dadurch abgerungen. Stattdessen gibt es überlegt herausgespielte Würfe und selbstbewusste 1-gegen-1-Korbleger. Die Gastgeber wirken geschockt, fallen um 19 Punkte zurück. Dann aber noch einmal eine starke Phase, in der der DBV ein einziges Mal das Basketball-Schulbuch fallen lässt und durch Einzelaktionen 1-gegen-1-Würfe aus dem Dribbling generiert und Dreier mit Hand im Gesicht trifft. Die Belohnung: ein 14:4-Run und Rückstand auf 9 verkürzt. 50:59.

Für die Bären das Zeichen für Schicht im Schacht: Mit der Starting Five kommt die Dominanz zurück ins Spiel – praktisch jeder Rebound landet in einer Bärenpranke und die Effizienz von der Dreierlinie ist an diesem Tag atemberaubend. Auf beiden Seiten lassen ein wenig die Kräfte nach, was zu Airballs bei den Gastgebern und zu sinnlosen Fouls bei den Gästen führt. Der Abstand bleibt aber deutlich über 10 Punkten konstant, der DBV Charlottenburg kommt nicht mehr ran. Noch einige sehenswerte Würfe auch von den Bankspielern der Bären, dann ist Schluss: 70:82.

 

Schade dass die Saison schon vorbei ist! Und unglaublich, wie der Coach der zweiten Neuköllner Bärenmannschaft aus dem Nichts ein Team geformt hat, das zu Saisonbeginn verheerende Niederlagen hinnehmen musste und am letzten Spieltag mit dem Tabellenführer und sicheren Aufsteiger Katz und Maus (oder Bär und Honigbiene) spielt. Die eigentliche Leistung besteht aber darin, dieses einzigartig zusammengewürfelte Team, in dem jeder einen anderen spielerischen Background (oder keinen) hat, zu einer Einheit zu formen und individuelle Stärken und Schwächen auf den Platz zu bringen. Nirgendwo lässt sich das besser verfolgen als gegen die Spiele gegen den DBV Charlottenburg – dieses absolut homogene Team, das Basketball spielt wie eine Maschine und fast alle Gegner wie eine deutsche Panzerbrigade überrollen konnte. Aber die Grenzen zwischen schulmäßigem Basketball und Schuljungenbasketball sind fließend, und deshalb hat es gegen die Instinktbasketballer von der Hertabrücke an diesem Tag nicht gereicht.